Digitale Demenz – Smartphone an Kopf aus

By 6. September 2015Lifestyle
Digitale Demenz – Smartphone an Kopf aus

Wo man hinsieht man bemerkt gestählte Muskeln, ernährungsbewusste Menschen und überquillende Fitnessstudios. Jeder will eine gute Figur machen und einen „healthy lifestyle“ leben, weil das doch mittlerweile zum guten Ton gehört und der Körper zum Statussymbol geworden ist.

 

Und dein Kopf? Wann wurde der zum letzten Mal trainiert?

Swipe nach rechts, wie war das noch mal, schnell die App geöffnet – achso, ich muss da vorne rechts abbiegen.

Die digitale Welt nimmt uns immer mehr ab, das Smartphone ersetzt geistige Anstrengung und alles was man sich eigentlich mal merken musste, ist so lange auf einem kleinen Server in unserer Hosentasche abgespeichert, bis wir selbst entscheiden es zu löschen. Das Smartphone vergisst eben nicht.

 

Ärzte in Südkorea fanden bei jungen Männern, die intensiv den Computer, das Smartphone und das Internet nutzen, heraus, dass sie an Gedächtnis-, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen leiden und damit allgemeine emotionale Verflachung und Abstumpfung einhergeht. Dieses Krankheitsbild nennt sich „digitale Demenz“.

 

In der Medizin ist Demenz die Abnahme geistiger Leistung: Das menschliche Gehirn verändert sich und erneuert sich täglich durch unseren Erfahrungen und die damit einhergehende intensive Nutzung. Wenn etwas Neues gelernt wird, entstehen Verbindungen, sog. Synapsen zwischen den Nervenzellen. Werden diese nicht mehr gebraucht oder angesprochen, dann fangen wir an zu vergessen.

Das Gehirn arbeitet ständig, auch wenn wir es nicht bewusst benutzen.

Unsere digitalen Helfer nehmen uns die geistige Arbeit allerdings ab und vereinfachen offenbar unser Leben – genauso wie Rolltreppen, Autos und Fahrstühle uns die körperliche Anstrengung abnehmen.

 

[ht_blockquote type=“theme_bg“ author=““]Interessant…
Ein plastisches Beispiel dazu: Ein Gewichtheber, der an Muskelschwund erkrankt, wird über längere Zeit noch kräftiger sein, als die meisten anderen, die nicht an Muskelschwund leiden.
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Um zum Vergleich auf die körperliche Fitness zurückzukommen: Wenn wir uns zu wenig bewegen, bauen wir Muskeln ab, werden träge und erkranken.

Das Gehirn ist nachgewiesen ebenfalls ein Muskel – nun kann man sich denken, was mit ihm passiert, wenn wir ihn zu wenig beanspruchen: Abbau, Minderfunktion bis hin zum Stillstand.

Unser Sozialverhalten wird ebenfalls von Gehirnmodulen gesteuert.

Dabei hängt es davon ab, mit wie vielen Menschen wir uns umgeben, wie viele echte Kontakte wir pflegen und wie man sich gegenseitig stimuliert. Egal ob wir jemanden direkt in die Augen schauen oder unseren Gegenüber berühren.

Je größer dieses Netzwerk an echten Kontakten, desto größer das soziale Gehirn.

Studien haben ergeben, dass soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter und co. einsam und unglücklich machen, da dieser reale Kontakt nicht vorhanden ist.

Wenn man daran denkt, was das auf lange Sicht zu bedeuten hat, wenn die zu Entwicklung der notwendigen Verbindungen im Gehirn einfach absterben und Nervenverbindungen mangels sozialer Kontakte gar nicht erst entstehen können:

Wie sollen wir Empathie entwickeln, wissen wann wir lächeln oder freundlich sein müssen, oder den Klang unserer Sprache auf den Inhalt abstimmen? Dinge die bei virtuell gepflegten sozialen Kontakten selten bis gar nicht zum Einsatz kommen.

Klar, das ist jetzt ziemlich weit gedacht, weil wir das ja schon irgendwie können und wissen wie das funktioniert aber was ist mit der heranwachsenden Generation die nur noch digital aufwachsen, quasi mit dem Ipad in der Kinderwiege?

Was für soziale Prozesse gilt, gilt auch ganz allgemein für alle Leistungen des Gehirns: Das Gehirn bildet sich in Auseinandersetzung mit der Welt – hier ist die wirkliche Welt gemeint. Das nennen wir im Volksmund Bildung.

Ein gebildetes Gehirn verfügt einfach über mehr Ressourcen, also mehr vorhandene Verbindungen, die es nutzen kann, wenn die Festplatte mit dem Alter langsam zerbröckelt.

Geistige Aktivität verlangsamt also den natürlichen Alterungsprozess unseres Gehirns und eine sich entwickelnde Demenz enorm.

 

Nüchtern zusammengefasst bedeutet das: Was wir früher mit dem Kopf erledigt haben, übernimmt heute meistens das Smartphone oder der Computer für uns.

Unser Gehirn verlernt dadurch sich allgemein anzustrengen, Nervenzellen sterben ab und wir stagnieren auf einem gewissen Grad der Entwicklung.

Erschreckend sind dabei nicht nur die Effekte auf unser Gehirn, sondern auch auf unser gesamtes Wohlbefinden.

Folgen der Verarmung unseres Gehirns können starke Depressionen sein, Schlafstörungen, Ängste, Übergewicht und ein gesteigertes Aggressionspotential.

Diese Entwicklung und Erkenntnisse sind alarmierend und sollten wach machen!

 

Dies soll nun nicht dazu aufrufen all unsere Smartphones und sonstigen digitalen Hilfsmittel aus unserem Leben zu verbannen, sondern bewusster zu konsumieren, sprich: Mehr darüber nachdenken und unser Gehirn statt den Fahrstuhl ab und zu einfach mal die Treppe nehmen lassen.

 

[ht_blockquote type=“theme_bg“ author=““]Good to know…
Wer zweisprachig aufwächst und aktiv beide Sprachen im täglichen Leben anwendet erkrankt bis zu 6 Jahre später an Alzheimer und Demenz.

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