„Rück mit dem Stuhl heran, bis an den Rand des Abgrunds. Dann erzähl ich dir meine Geschichte.“

 

Also komm, hol dir einen Kaffee, machs dir gemütlich und lass mich dir „Vom Ende der Einsamkeit“ des Autoren Benedict Wells erzählen und wenn du möchtest, kannst du auch etwas darüber berichten und mir deine Meinung dazu schreiben.

Inhalt:

„Ich kenne den Tod schon lange, doch jetzt kennt der Tod auch mich.“

Mit einem Satz, bei dem man nicht kalt bleiben kann, fängt das Drama an. Beginnend mit dem Unfalltod der Eltern von Jules, als er 11 Jahre alt war, folgt ein chronologischer Rückblick auf sein Leben. Er und seine beiden Geschwister, Marty und Liz, wachsen danach zwangsläufig im Internat auf, wo sie sich im Laufe der Zeit entfremden werden. Durch das Ereignis und das Leben im Internat verändern sich die Geschwister und ihre Charakterzüge, Gute und auch Schlechte, werden immer ausgeprägter.

 

„Um Minuten gekämpft, wenn es darum ging, einen Bus zu erreichen.

Jahre verschwendet, weil ich nicht das getan hatte, was ich wollte“

 

Die lebensfrohe Liz wird drogenabhängig und eine Nymphomanin, was relativ früh im Buch klar wird. Marty, der Nerd, wird zu einem Genie in der Internetbranche und der selbstbewusste Jules, unser Hauptprotagonist verliert das Wichtigste, den Glauben an sich selbst, versinkt in Selbstmitleid und wird schnell zum Außenseiter im Internat.

Das tiefe Loch, dass der Verlust in sein Leben gerissen hat, lässt sich nicht so einfach schließen. Daher wird es Jahre seines Lebens kosten, zu sich selbst zu finden und seine Rolle im Leben zu verstehen und anzunehmen. Jules lernt im Internat ein hübsches rothaariges Mädchen namens Alva kennen, die sein Leben auf den Kopf stellen wird. Im Unterricht setzt sie sich einfach zu ihm, er hätte jedoch nicht wissen können, dass ab da Alva zu seinem Leben dazugehören wird. Mehr oder Weniger…

Hin und wieder werden die beiden Zeit mit einander verbringen. Alva liest sehr gerne, wie Jules auch (Was die beiden natürlich in meinen Augen gleich sympathischer gemacht hat). Sie haben eine interessante Freundschaft und man hat das Gefühl, dass sie sich zwar wirklich lieben könnten, doch keiner den ersten Schritt wagt, nein sogar eher von einander weg schreitet, vielleicht um nichts Falsches zu tun, was den anderen abschrecken könnte. Erst Jahre später, mit etwas über dreißig treffen sie sich wieder. Jules Urteil in der Zwischenzeit: „Nie den Mut gehabt, sie zu gewinnen, immer nur die Angst, sie zu verlieren.“ S. 121. Alva hat in dieser Zeit mit einem  siebzigjährigen Schriftsteller geheiratet, der aber seine besten Zeiten längst hinter sich gebracht hat. Ab diesem Zeitpunkt wird es meiner Meinung nach richtig spannend, denn die überraschenden Wendungen kommen nacheinander und lassen nicht auf sich warten. Genial!

Es werden noch viele Ereignisse in Jules Leben vorkommen, bei dem wir dabei sein dürfen, daher möchte ich lieber nicht zu viel spoilern und euch den Lesespaß nehmen, den ihr ganz sicher damit haben werdet, vor allem, wenn ihr gerne Dramen lest.

 

„Es gab Dinge, die ich nicht sagen, sondern nur schreiben konnte.“

 

Meine Meinung:

Der Schreibstil von Benedict Wells zieht einen in die Geschichte und lässt nicht los. Mich hat dieses Buch wirklich so sehr berührt, dass ich vor allem gegen Ende alle paar Seiten nur noch am Weinen war. Und wenn ein Roman das schafft, kann es doch nur ein gutes Buch sein.

Ich habe die Geschwister durch das Buch über Jahre hinweg begleitet, war mit ihnen in Frankreich, in der Schweiz und sogar in München, dabei sind sie mir ans Herz gewachsen. Ich habe mit ihnen mitgefiebert, mich über sie aufgeregt und sie haben mich an ihrem Leben teilhaben lassen, sei es auch nur als Beobachter bzw. Leser. Doch das alles habe ich erst gemerkt als ich die letzte Seite des Buches schloss und mindestens 10 Minuten nicht loslassen konnte.

 

Eure Feyza (_foez_)

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